Die Performance von Robo-Advisors in verschiedenen Marktphasen

Ein kompetenter Vermögensmanager muss laut Analysten mehr bieten als nur grundlegende Dienste. Unterschiedliche Strategien können langfristig überzeugen, weshalb Anleger eine große Auswahl haben.

Um 2023 eine hohe Rendite zu erzielen, war es notwendig, massiv in große US-amerikanische Tech-Werte zu investieren. Diese Aktien und Anleihen hatten noch im Vorjahr erhebliche Wertverluste erlitten. Solche unterschiedlichen Marktphasen erfolgreich zu bewältigen, ist eine Herausforderung – auch für Anbieter automatisierter Anlagestrategien, sogenannte Robo-Advisors. Dies belegt eine exklusive Studie des Beratungshauses Fonds Consult, die dem Handelsblatt vorliegt. Analyst Maximilian Wellner von Fonds Consult hat festgestellt, dass es eine “enorme Spreizung der Performance ” gibt. Je nach Gewichtung von Tech-Titeln gab es im vergangenen Jahr Renditeunterschiede von 20 Prozentpunkten oder mehr. Allerdings warnt Wellner, dass stark konzentrierte Strategien zu erheblichen Wertschwankungen führen können. Langfristig haben sich Anbieter mit stabilen Renditen und moderaten Verlustrisiken bewährt. Dabei haben sehr unterschiedliche Strategien überzeugt – sowohl einfache und kostengünstige Lösungen mit börsengehandelten Fonds (ETFs) als auch durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützte Ansätze oder eine Kombination aus ETFs und aktiv gemanagten Fonds. In ihrer jährlichen Studie analysiert Fonds Consult die risikogewichtete Rendite von vier verschiedenen Anlagestrategien der Robo-Advisors – von defensiv bis offensiv, mit Aktienquoten von etwa 40 bis 100 Prozent – über ein und drei Jahre. Zusätzlich werden die Qualität des Produktangebots sowie der Service, einschließlich Kosten und Risikomanagement, bewertet. Robo-Advisors mussten sich in drei sehr unterschiedlichen Börsenjahren beweisen Die aktuelle Untersuchung umfasst drei sehr unterschiedliche Börsenjahre: das vergangene Jahr, geprägt von Inflation und Rezessionsängsten, das dennoch insgesamt gute Ergebnisse für Aktien und Anleihen lieferte, das äußerst schwache Jahr 2022 und das insgesamt solide Jahr 2021. Im laufenden Jahr schwanken die Märkte zwischen der Zinswende und der Erholung der Konjunktur. Analysiert wurden 20 der knapp 40 Anbieter, die zusammen ein verwaltetes Vermögen von etwa 12,4 Milliarden Euro haben und damit den größten Teil des deutschen Marktes abdecken. Seit den Anfängen der digitalen Vermögensverwaltung vor gut zehn Jahren ist der Markt gereift. Fonds Consult stellt mittlerweile fest, dass das Produktangebot überwiegend gut ist. Anleger können aus einer Vielzahl von Strategien wählen, die sich hauptsächlich auf die großen Anlageklassen Aktien und Anleihen konzentrieren: einfache Ansätze mit ETFs, von Algorithmen gesteuerte Anlagestrategien mit umfassendem Risikomanagement, klassische Vermögensverwaltung sowie hybride Modelle. Dementsprechend variieren die Gesamtkosten stark und liegen jährlich zwischen 0,59 und 2,66 Prozent des investierten Kapitals. Diese drei Anbieter sind an der Spitze Visual Vest hat zum zweiten Mal in Folge die Spitzenposition in der Auswertung erreicht, mit der Note 1,6. Als Robo-Advisor der Genossenschaftsbanken nutzt er die KI "Malina" zur taktischen Optimierung seiner Strategie, insbesondere bei aktienlastigen Ansätzen zeigt er seine Stärken. Über drei Jahre hinweg erzielte Visual Vest im Durchschnitt Renditen von bis zu acht Prozent pro Jahr, wobei die Wertschwankungen im akzeptablen Bereich lagen. Besonders im schwierigen Jahr 2022 erwies sich Visual Vest als besserer Schutz vor Verlusten im Vergleich zu anderen Anbietern. Fonds Consult bewertet die Qualität des Produktangebots mit „sehr gut“. Analyst Wellner lobt den gelungenen Mix aus Mensch und Maschine: Die KI wird zur Gewichtung von Anlageklassen genutzt, während Fondsmanager daraus Portfolios mit ETFs zusammenstellen. Da Visual Vest keine hauseigenen Produkte verwendet, entstehen keine Interessenkonflikte. Die Kosten sind mit 0,87 Prozent pro Jahr niedrig. Die breite Ausrichtung von Visual Vest auf Aktien und Anleihen zahlte sich im Jahr 2023 aus. Besonders Aktien aus den USA und anderen Industrieländern sowie Staats- und Unternehmensanleihen erzielten gute Ergebnisse. Derzeit konzentrieren sich die Fondsmanager auf Unternehmensanleihen in Euro oder auf in Euro abgesicherte Wertpapiere sowie auf globale Aktien. Kürzlich konnte Visual Vest von einer Überbewertung von Rohstoffen gegenüber Aktien profitieren, die durch die KI gesteuert wurden. Bevestor belegt den zweiten Platz mit der Note 1,84. Der Robo-Advisor der Sparkassentochter Deka kombiniert in den Kernmärkten ETFs mit aktiv gemanagten Fonds zu spezifischen Themen. Die Deka-Fondsmanager erstellen die strategische Struktur und wählen die Fonds aus, während ein System das Risiko steuert. Anleger können einen zusätzlichen Kapitalschutz wählen, der jedoch extra kostet. Analyst Wellner hebt hervor, dass Bevestor über alle Risikostufen hinweg konstant gute Ergebnisse erzielt hat. In den vergangenen drei Jahren erzielte das offensive, aktienorientierte Portfolio im Durchschnitt eine Rendite von gut sechs Prozent bei unterdurchschnittlichen Wertschwankungen. Fonds Consult bewertet das Produktangebot mit der Bestnote 1,3, und die Kosten sind durchschnittlich. Marco Lorenz, Geschäftsführer von Bevestor, betont, dass derzeit der Fokus der Anlage weiterhin auf Aktien aus den USA liegt, allerdings mit einem geringeren Gewicht im Vergleich zum Weltaktienindex MSCI World. Zum Ende des Jahres 2023 wurden unter anderem japanische Aktien übergewichtet und Positionen aus Schwellenländern aufgenommen. In den ausgewogenen und defensiveren Portfolios sind derzeit hohe Anteile an Unternehmensanleihen und europäischen Hochzinsanleihen zu finden. Quirion zeigt, dass auch einfache Modelle erfolgreich sein können Quirion belegt knapp dahinter den dritten Platz mit der Note 1,85. Der Robo-Advisor der Quirionbank verfolgt eine passive Strategie und verzichtet auf Marktprognosen. Stattdessen wird ein breit gestreutes ETF-Portfolio aus Aktien und Anleihen aufgebaut, das je nach Risikoneigung und Anlagehorizont des Anlegers unterschiedlich stark in Aktien investiert. Einmal im Jahr und nach größeren Kursbewegungen werden die ursprünglichen Gewichtungen wiederhergestellt. Wellner lobt das einfache Modell von Quirion, das seit Jahren erfolgreich ist. In den letzten drei Jahren gehörte der Robo-Advisor zu den Top-Performern. Die aktienorientierten Strategien erzielten bei etwas höheren Wertschwankungen Renditen von bis zu neun Prozent pro Jahr. Quirion setzt auf den Grundsatz, dass Prognosen nicht funktionieren: „Unsere Portfolios orientieren sich an wichtigen Erkenntnissen der Kapitalmarktforschung “, erklärt Quirion-Chef Martin Daut. Das bedeutet, dass keine Anpassungen basierend auf Marktlagen vorgenommen werden – „Abschwünge werden so zwar mitgenommen, Aufschwünge dafür aber nicht verpasst “ Solidvest folgt knapp dahinter mit der Note 2,06. Als Robo-Advisor des Vermögensverwalters DJE erhält es erneut eine der besten Bewertungen für risikogewichtete Renditen von Fonds Consult. Diese aktive Vermögensverwaltung mit digitalem Zugang setzt die Strategie des bekannten Fondsmanagers Jens Ehrhardt um. Jan Ehrhardt, Sohn von Jens Ehrhardt, richtet seinen Blick hingegen auf sogenannte Substanzaktien. Diese sind im Verhältnis zum Buchwert günstig und die Unternehmen haben eine hohe Eigenkapitalquote. Solidvest zeigt besondere Stärke bei defensiven Strategien. Über einen Zeitraum von drei Jahren erzielte das ausgewogene Portfolio eine der besten Renditen von knapp vier Prozent pro Jahr bei einer geringen Wertschwankung von 6,6 Prozent. Die Kosten liegen mit 1,4 Prozent und einer möglichen Performance-Gebühr jedoch über dem Durchschnitt. Scalable, ein weiterer Robo-Advisor, schneidet ebenfalls positiv ab und erhält die Note 2,08. Als Marktführer verfügt Scalable über ein Kundenvermögen von 3,5 Milliarden Euro. Aufgrund des starken Interesses vieler junger Robo-Kunden bewertet Fonds Consult auch die Nachhaltigkeitsstrategien aller Anbieter, sofern diese bereits ausreichend lange am Markt vertreten sind, wie nun bei Scalable. Die Anlagestruktur dieser Strategie wird von einem Investmentteam des entsprechenden Fintechs festgelegt. Dieses Team analysiert Anlagestile, Regionen, Sektoren und Risikokennzahlen, um entsprechende ETFs auszuwählen. Obwohl Scalable in den Vorjahren mit seiner klassischen, streng risikogesteuerten Strategie nur geringe Renditen erzielt hatte und in der Studie vergleichsweise schlecht bewertet wurde, hat sich die Situation nun geändert. Fonds Consult hat auch weitere Anbieter mit guter risikogewichteter Rendite identifiziert. Dazu gehören der Hauck-Aufhäuser-Robo Zeedin, der auf aktive Titelauswahl setzt, Growney vom Anbieter Laiqon mit einem quantitativen ETF-Ansatz, und Robin von der Deutschen Bank, der einen Mix aus regelbasierter ETF-Auswahl und Marktanalyse der Bank verwendet. Am unteren Ende der Bewertungsskala finden sich zwei Anbieter mit stark unterschiedlichen Profilen. Estably schnitt erneut mit einer Bewertung von 3,0 vergleichsweise schwach ab. Obwohl der aktive Vermögensverwalter aus Liechtenstein im Jahr 2023 in allen Strategien die höchsten Renditen erzielte, vor allem durch Investitionen in US-Technologieaktien, geschah dies aufgrund extrem hoher Risiken. Über einen Zeitraum von drei Jahren betrachtet, zeigt sich eine insgesamt schwache Performance von Estably. Andreas Wagner, der Geschäftsführer von Estably, verweist jedoch auf einen Fünf-Jahres-Horizont bei der Beurteilung der Ergebnisse. Am untersten Ende der Bewertungsskala liegt Inyova mit einer Bewertung von 3,1. Dieser inhabergeführte Robo-Advisor konzentriert sich auf Klima- und soziale Ziele. Das Portfolio, bestehend aus Einzelaktien und einem Anleihe-ETF, erzielte laut Fonds Consult relativ geringe Renditen bei gleichzeitig recht hohen Wertschwankungen. Christian von Angerer, der Chefanlagestratege von Inyova, führt dies unter anderem darauf zurück, dass das Unternehmen bewusst auf Investitionen in große US-Technologieunternehmen verzichtet, da diese oft wenig positive Auswirkungen auf die Welt hätten. Mischangebote sind im Aufschwung Experten wie Philipp Bulis, Partner des Beratungshauses Oliver Wyman, erkennen einen anhaltenden Trend zu Mischangeboten, die aus automatisierten und menschlichen Komponenten bestehen. Die Menschen wünschen sich eine technisch perfekt unterstützte Anlage, die sie jederzeit und überall überwachen können. Gleichzeitig besteht jedoch ein situativer Bedarf nach persönlicher Beratung, erklärt Quirion-Chef Daut. Die Robo-Advisors testen zunehmend den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für die Kundeninteraktion, stellt Bulis fest. Seiner Meinung nach macht KI auch bei Anlagealgorithmen Sinn.

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